Madame Wu Teesalon

Traditionelle Teezeremonien

China

Tee wird in China klassisch nicht mit Hilfe von Sieben oder Beuteln aufgebrüht. Stattdessen wird heißes Wasser direkt auf die Teeblätter gegossen. Das Abgießen bzw. Trinken des Tees ist dennoch unproblematisch, da zum Ende der Ziehzeit die Blätter auf den Boden der Teekanne sinken. Außerdem ist es Usus, den Tee auch bei Ziehzeiten von mehreren Minuten mehrfach aufzugießen, bei grünem Tee bis zu dreimal, bei Oolong- oder Pu-Erh-Tee bis zu siebenmal. Beliebtester Tee ist der grüne Tee, der wie die anderen Teesorten meist ungesüßt getrunken wird.
In traditionellen Zeremonien wurde früher pulverisierter Tee zusammen mit Wasser aufgekocht, oder der pulverisierte Tee mit heißem Wasser aufgegossen und mit Bambusbesen schaumig geschlagen. Die heute noch verbreitete Zeremonie namens Kung Fu Cha basiert auf ganzen Teeblättern. Zu Beginn werden Teekannen, Teebesteck und Teeschälchen, aus denen später getrunken wird, mit heißem Wasser gewaschen. Anschließend werden in der ersten Teekanne die Teeblätter mit heißem Wasser übergossen, das Wasser nach wenigen Sekunden allerdings bereits in die Schälchen abgegossen, und zwar, um dem Tee den bitteren Geschmack zu nehmen und die Blätter aufzuschließen. Dieser erste Aufguss wird daher nicht getrunken, sondern lediglich dessen Duft genossen. Anschließend wird der Tee aus den Schälchen entfernt und die Teeblätter in der ersten Kanne erneut aufgegossen. Nach einer Ziehzeit von knapp 30 Sekunden wird der Tee aus dieser Kanne in eine zweite abgegossen. Die zweite Kanne wird benötigt, um das Nachziehen des Tees während des Einschenkens zu verhindern. Aus dieser zweiten Kanne wird der Tee nun in die Schälchen gegossen, und zwar schrittweise in mehreren „Runden“. Auf diese Weise erhält jedes Schälchen die gleiche Geschmacksqualität. Ist der Tee verköstigt, schließen sich weitere Aufgüsse auf die bereits verwendeten Blätter an, jedoch jeweils mit einer im Vergleich zum vorhergehenden Aufguss um rund 10 Sekunden verlängerten Ziehzeit. Es können bis zu 15 Aufgüsse mit denselben Teeblättern erfolgen, je nach Produktqualität.

Japan

In Japan wird in der traditionellen Zeremonie zunächst die Teeschale mit heißem Wasser gewaschen und erwärmt. Anschließend überführt der Gastgeber pulverisierten Tee mit einem Teebambuslöffel aus einem Vorratsgefäß in die Teeschale, übergießt ihn mit heißem Wasser aus einer gusseisernen Kanne und schlägt den Tee mit einem Teebesen schaumig. Die Gäste essen unterdessen Süßigkeiten. Der Gastgeber bietet nun die Schale dem ersten Gast, der sich unter Verbeugungen bedankt und bei den anderen Gästen dafür entschuldigt, dass sie warten müssen. Der erste Gast bewundert zunächst die Schale, trinkt drei kleine Schlucke, reinigt den Schalenrand mit einer Serviette und reicht die Schale weiter an den nächsten Gast usw. Während des Herumreichens und Trinken des Tees herrscht Schweigen, das erst nach Ende des Rituals meist durch eine Diskussion über den Tee und seine Qualität gebrochen wird.

Indien

Tees finden hier z.T. in Kombination mit Gewürzen Verwendung. Ein Alltagsgetränk ist der Chai-Tee, meist auf Basis von Assam-Blättern, die in einem ersten Schritt mit Gewürzen wie z.B. Kardamom aufgekocht werden. In einem zweiten Schritt wird dann ca. das gleiche Volumen Milch hinzugefügt und die Mischung nochmals aufgekocht. Anschließend werden weitere Gewürze wie Anis, Zimt, Nelken und auch Pfeffer hinzugegeben und der Tee solange gekocht, bis er eine karamell-artige Farbe aufweist. Schließlich kann der Tee mit Zucker gesüßt werden. Die Reihenfolge der Zutaten variiert aber, so können alle Gewürze und der Zucker auch bereits vor dem ersten Aufkochen hinzugefügt werden.

Europäische Teekultur

England

England war schon seit dem 17. Jahrhundert mit dem Teehandel beschäftigt; aufgrund des hohen Preises jedoch war der Tee lange nur der feinen Gesellschaft vorbehalten. Nach dem Brechen des chinesischen Handelsmonopols und mit dem Anbau der Teepflanzen auch in Indien wurde Tee auch für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. Seitdem hat sich in England eine intensive Teekultur entwickelt, die täglich bereits mit dem „early morning tea“ beginnt, gefolgt vom „english breakfast tea“, sich in der Teatime am späten Nachmittag fortsetzt und mit einem am Abend genossenen „high tea“ endet. Bei der Teezeremonie gilt das „Milk-in-first“-Prinzip, nach dem die Milch in der Tasse vorgelegt, der frisch zubereitete Tee anschließend hinzugefügt und die Mischung dann gesüßt wird. Speziell zum Afternoontea werden häufig herzhafte und auch süße Beilagen gereicht, wie Sandwiches oder mit Rahm und Marmelade bestrichene Teebrötchen (Scones).
Darüber hinaus wurden um das eigentliche Teetrinken herum im Laufe der Jahrhunderte Teagardens, Tanztee, Teemoden, sowie Teeporzellan entwickelt. Auf dieser Basis hat sich inbesondere der „five-o’clock-tea“ entwickelt und ist für viele Engländer auch heute noch unverzichtbar.

Russland

In Russland hielt Tee ebenfalls im 17. Jahrhundert Einzug, jedoch zunächst nur am Zarenhof. In der Bevölkerung setzte sich Tee erst rund 200 Jahre später durch. Im Zuge dessen wurde der Samowar entwickelt, ein großer aus z.B. Porzellan, oder Metallen wie Kupfer bzw. Legierungen wie Messing und Bronze bestehender Behälter, in dem Wasser erhitzt wird. Auf diesem Samowar wird eine kleine Kanne mit starkem Teeextrakt warm gehalten. Der Teetrinker verdünnt in seinem Teeglas nun den Teeextrakt je nach Geschmack mit dem heißen Wasser des Samowars. Abgerundet werden kann die Mischung mit Zucker oder Zitrone, auf Milch wird aber verzichtet. Solche Samowars sind mittlerweile in vielen Kulturen verbreitet.

Deutschland

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts wird auch in Deutschland Tee getrunken. Zunächst in Berliner Salons genossen, wurde Tee auch mehr und mehr in intellektuellen Kreisen und an literarischen Teetischen zelebriert, wie z.B. durch Johann Wolfgang von Goethe, der zum großen Tee einlud. Zum Einsatz kamen dabei hochwertige Porzellantassen wie z.B. solche aus Meißen. Besonderer Beliebtheit erwies sich Tee jedoch im Bereich der Nordseeküste, wie auch in Bremen und Hamburg. Vor allem in Ostfriesland hat sich der mittlerweile 300 Jahre alte Brauch des Teetrinkens bis heute erhalten. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Ostfriesen ist Deutschland-weit mit Abstand der höchste, da in Ostfriesland den ganzen Tag über Tee getrunken wird. Die Besonderheit der ostfriesischen Teekultur ist die Verwendung von Kandis-Zucker und Sahne im meist herben nordostindischen Assamtee. Dabei wird zunächst der Tee in Kannen mit frisch gekochtem Wasser aufgebrüht und meist nicht länger als 5 min ziehen gelassen. Anschließend werden Kluntjes (Kandis) in einer Tasse vorgelegt, mit Tee übergossen und schließlich ungeschlagene Sahne zugegeben, die nicht verrührt wird. Auf diese Weise entstehen regelrechte Wölkchen in der Teetasse. Bis zu fünfmal am Tag wird der Tee so zubereitet: zum Frühstück, später am Vormittag, nach dem Mittagessen, zur Teezeit am Nachmittag und zum Feierabend.